X

EIN BÜNDNER SPANNT DEN BOGEN NACH ISLAND

Nach seinem Erfolg mit dem Debüt-Roman „In Küstennähe“, womit der noch junge Bündner Joachim B. Schmidt an den 35. Solothurner Literaturtagen vertreten war, legt er nun nach: "Am Tisch sitzt ein Soldat" ist eine weitere isländische Saga, ein geradezu krimineller Entwicklungsroman.

Hamburg, 1967. Jón steckt mitten in den Studentenunruhen, als ihn eine Nachricht aus der fernen Heimat Island aus der Bahn wirft: Seine Mutter liegt im Sterben. Er bricht sein Studium ab, kehrt der Revolution den Rücken und geht heim. Die Reise ins Hinterland der Mývatnsveit, übersetzt Mückensee-Gegend, führt ihn unweigerlich in seine Vergangenheit. Die Bilder einer tristen, vaterlosen Kindheit holen ihn ein. Wieso ist sein Vater 1942, als die ganze Welt Kopf stand, im Gletscherfluss ertrunken? Warum macht man ein Geheimnis daraus, dass auf dem Bauernhof Schnaps gebrannt wurde? Und was hat es mit dem deutschen Kriegsflugzeug auf sich, der auf dem Acker liegt und verrostet?

 

Jóns Fragen bringen die kauzigen Bewohner der Mü-ckensee-Gegend in Unruhe. Er wird sich allmählich bewusst, dass seine Familie ein Geheimnis hütet, das nicht gelüftet werden sollte. Schon gar nicht von ihm.

 

„Am Tisch sitzt ein Soldat“ ist eine tragisch-irrwitzige Familien Saga, mitten aus dem steinernen Herzen Islands.

 

Schmidt hat sich vor ein paar Jahren nach Island aufgemacht um die grösste Vulkaninsel der Welt zu erkunden und deren Puls zu spüren. 2007 wanderte er endgültig aus hielt sich mit Gelegenheitsjobs im Gastgewerbe und in der Landwirtschaft über Wasser. Dabei erfuhr er rasch viel über Land und Leute und bekam so einige Geschichten zu hören. Diese Geschichten sind es, die Joachim B. Schmidt zu seinen Büchern inspirieren. Dabei verbindet er Reales mit Fiktivem. Die ursprüngliche Natur Islands und der zügige Erzählstil tragen das ihre bei, dass Bücher entstehen, die man als Leser nur ungern vor dem Ende der Geschichte zur Seite legt. Diese Erfahrung machte auch der Churer Schriftsteller Gion Mathias Cavelty – und lieferte prompt eine kurze Empfehlung für die Buchrückseite: „… es hat mich geschaudert, von Kopf bis Fuss, von der ersten bis zur letzten Seite“, schreibt er da.

 

Auch wenn der gelernte Hochbauzeichner und Journalist Joachim B. Schmidt noch nicht von der Schriftstellerei leben kann, so hat er mit seinem zweiten Roman doch bewiesen, dass seine Karriere noch einiges verspricht. Das positive Echo auf seine Arbeit von Medienschaffenden, Buchhändlern und – nicht zuletzt – den Lesern spornt ihn zum Weitermachen an. So arbeitet er aktuell an einigen weiteren Projekten: Darunter ist eine Geschichte, die den Bogen von seiner ehemaligen Heimat Graubünden zu seiner Wahlheimat Island spannen soll. Denn vielleicht passt der steinige Bündner Charakter ganz gut in eine isländische Saga.