X

DANIEL VON AARBURG
AMBITIONIERTER FILMEMACHER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er hat viele Filme mit dokumentarischen Inhalten realisiert. Daniel von Aarburg arbeitet wieder an einem neuen Drehbuch. Dieses Mal soll es aber ein Kino-Spielfilm werden, wie der Churer beim Treffen mit „kultchur“ verriet.

 

Text. Aldo Mathis, Fotos: zVg, Aldo Mathis

 

Das Wetter spielt verrückt in Chur. Regen und Schneefall wechseln sich ab. Daniel von Aarburg ist trotzdem mit dem Velo zum Gesprächstermin erschienen. Typisch für den sportlichen Filmemacher. Schliesslich war er in seiner Jugend ein talentierter Fussballer, der in Auswahl-Mannschaften und beim FC Chur sein Können unter Beweis stellen konnte. „Als Teenie konnte ich mir vorstellen, Profi zu werden und anschliessend als Sportlehrer zu arbeiten“, sagt von Aarburg. Während seiner Zeit am Gymnasium sei er aber dank der DKG (Dramatische Kantonsschülergruppe) auch auf den Geschmack des sprachlichen Spiels gekommen. „Vier Mal pro Woche Fussballtraining und oft Theaterproben liessen sich nebst der Schule nicht unter einen Hut bringen. Ergo habe ich mit der ´Ballkunst´ aufgehört“. Er begann mit dem Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich und schloss mit dem Lizentiat als Phil. I ab. Während der Studienzeit arbeitete er immer wieder. So unter anderem als Pöstler, Korrektor, Chauffeur, Skilehrer, Stadtführer oder als Radiojournalist. „Dank meinen Ferien-Jobs verlor ich nie die Bodenhaftung.“

 

SEIT 15 JAHREN FREISCHAFFENDER FILMEMACHER

 

Der 1965 in Chur geborene und aufgewachsene Kreative absolvierte die Ausbildung zum Réalisateur en audiovisuel an der Filmschule Lausanne (DAVI). Von 1995 bis 2000 war von Aarburg als Redaktor, Produzent und Autor auf der Kulturredaktion des Schweizer Fernsehens angestellt. Seither ist er freischaffender Filmemacher. Für viele ein Traumberuf. Aber so einfach ist das nicht. „Die Kernkompetenz beim Schweizer Filmschaffen liegt eindeutig beim Dok-Film. Da gelingt es oft, die für eine Produktion benötigten Mittel zu beschaffen. Aber bei Spielfilmen herrschen ganz andere Voraussetzungen. Da muss man bei Produktionsfirmen vorstellig werden und viel Papierkram erledigen. Es braucht strategisches Denken für ein Projekt.“ Teilzeit-Hausmann Daniel von Aarburg, der mit seiner Frau und seinen drei Kinder in Chur wohnt, realisiert nach wie vor acht bis zehn Sendungen für den „Kulturplatz“ von SRF und verschiedene Auftragsarbeiten als Freelancer.

DIE „UNGLAUBLICHE“ GESCHICHTE

 

Letztes Jahr hat von Aarburg mit dem Film „Carl Lutz – The forgotten Hero“ auch weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt. Die Geschichte des Diplomaten Carl Lutz, der während des 2. Weltkriegs als Vizekonsul der Schweizer Botschaft in Budapest zehntausende verfolgte ungarische Juden vor dem sicheren Tod rettete, gilt als grösste zivile Rettungsaktion während des Holocaust. Von Aarburg erzählt: „In Ungarn, Deutschland, Israel und den Vereinigten Staaten gilt der Schweizer Carl Lutz als Held. In der Schweiz ist er nahezu unbekannt. Auch ich habe die Geschichte bloss zufällig entdeckt.“ Es sei höchste Zeit gewesen, die Geschichte von Carl Lutz einem grösseren Publikum bekannt zu machen. Ursprünglich geplant war eine zweiteilige Doku-Fiktion, deren Finanzierung sich aber in der Schweiz als unmöglich erwies. Daniel von Aarburg hat sich deshalb dazu entschlossen, den Stoff vorerst dokumentarisch zu erzählen. In einer Kino-Fassung für Festivals und den internationalen Markt und einer gekürzten Fernsehfassung, die das SRF 2014 auf drei Landessendern in der Prime-Time ausgestrahlt hat.

Parallel zu den Dokumentarfilmen ist auch ein interaktives Videobook für den Download auf Tablets herausgekommen. Und das erfolgreich. Daniel von Aarburg ist Anfang Oktober 2014 an der Frankfurter Buchmesse mit dem ersten deutschen „Ebook-Award“ ausgezeichnet worden. Zudem erntete die Kino-Fassung gute Kritiken. So schrieb beispielweise der „Stern“: "Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass sie nur wahr sein können!”

Die „unglaubliche Geschichte“ hat von Aarburg nicht losgelassen. Er möchte sie zu einem Kino-Spielfilm verarbeiten und schreibt derzeit am Drehbuch. “Ich will vor allem die ambivalente Beziehung zwischen Carl Lutz und Adolf Eichmann, dem Logistiker des Holocaust, in den Vordergrund stellen. Und ein bisschen Fiktion in den Stoff einfliessen lassen.“ Daniel von Aarburgs weiss, wie man packende Geschichten richtig erzählen muss. Wenns dann auch noch gelingt, die nötigen Mittel für das ambitionierte Projekt aufzutreiben, dürfen sich Cineasten auf ein Kino-Highlight freuen.

 

FILMOGRAPHIE

 

Kino-Dokumentarfilme:

"Letters to Srebrenica",

"Marco Camenisch",

"Si pensava di restare poco",

"Hugo Koblet - Pédaleur de charme”,

“Carl Lutz - The forgotten Hero”,

 

TV-Movies:

"Romeo und Julia in der Stadt”, (Buch und Regie),

“Nebenwirkungen” (Buch), “Der Verdacht” (Buch).


Derzeit in Arbeit:

“Der Landesverrat” (TV-Doku-Drama; Postproduktion);

“Lutz und Eichmann” (Arbeitstitel),

Drehbuch zu einem Kino-Spielfilm.